Wer ist mächtiger – Staaten oder Konzerne?

Wer hat die Macht in der internationalen Politik? Die meisten Leute würden wahrscheinlich sagen, es sind die größten Staaten im globalen System. Die aktuelle Landschaft der internationalen Beziehungen scheint diese Intuition zu bestätigen: Die neue russische Geopolitik, “America First” und die staatlich geführte globale Expansion Chinas scheinen nach Jahrzehnten der Globalisierung die Staatsmacht wieder an die Macht zu bringen.

Doch multinationale Konzerne wie Apple und Starbucks haben immer noch phänomenale Macht. Sie überwachen riesige Lieferketten, verkaufen Produkte in der ganzen Welt und gestalten die internationale Politik nach ihren Interessen. In mancher Hinsicht haben multinationale Konzerne Regierungen auf dem Kieker – sie sind Zeugen ihres stetigen Erfolgs bei der Umgehung von Steuerzahlungen. Wenn es also um die internationale Politik geht, haben die Staaten wirklich das Sagen?

Wir vergleichen Staaten und Unternehmen anhand der Größe ihrer Brieftasche. Die folgende Tabelle ordnet die 100 größten Unternehmen und Länder nach ihrem Umsatz im Jahr 2016. Bei den Einnahmen der Staaten handelt es sich im Wesentlichen um die eingezogene Steuern.

An erster Stelle stehen die USA, gefolgt von China und Japan (die Eurozone steht mit mehr als 5.600 Milliarden US-Dollar an erster Stelle, wenn wir sie als eine einzige politische Einheit betrachten). Aber viele Unternehmen sind auf Augenhöhe mit einigen der größten Volkswirtschaften der Welt: Walmart übertrifft beispielsweise Spanien und Australien. Von den 100 umsatzstärksten Unternehmen sind 71 Unternehmen in unserem Ranking vertreten. Klick Bild für größer….

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Beachten Sie auch, dass die führenden Unternehmen die gleiche Nationalitäten-Ordnung aufweisen wie der Staaten: Dem amerikanischen Walmart folgen drei chinesische Firmen. Es gibt bereits 14 chinesische Firmen in den Top 100, die USA haben 27.

Unser Vergleich ist notwendigerweise grob, deutet aber darauf hin, dass neben den allergrößten Staaten die Wirtschaftskraft von Unternehmen und Staaten im Wesentlichen gleichwertig ist. Das hat uns veranlasst, in einem aktuellen Papier zu versuchen, die Macht der Unternehmen in der internationalen Politik zu überdenken. Wir haben argumentiert, dass die Globalisierung zu einer globalen Struktur geführt hat, in der staatliche Macht nicht mehr das alleinige Regierungsprinzip ist.

Denken Sie nur an die private und öffentliche Macht globaler Giganten wie Google oder Apple. Als Donald Trump kürzlich mit Apple-Chef Tim Cook zusammentraf, um zu diskutieren, wie ein Handelskrieg mit China die Interessen von Apple beeinflussen würde, zeigte er, dass die führenden multinationalen Unternehmen politische Akteure sind und nicht nur Zuschauer.

Es gab immer große und mächtige Weltkonzerne – die Dutch East India Company dominierte den europäischen Handel in den 1600er und 1700er Jahren. Doch die derzeitige Machtposition der Weltkonzerne gegenüber anderen Akteuren ist in Bezug auf Größe und Volumen beispiellos.

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