Über die Leiden der Mutter Erde

Hunger, räuberischer Ressourcenverbrauch, die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich: Der Tiroler Wirtschaftshistoriker Josef Nussbaumer beschäftigt sich mit den globalen Krankheitsbildern und mit Leidenswegen, die viele Millionen Menschen tagtäglich gehen müssen, weil die Ökonomie für sie keinen anderen Weg bereithält. Über den kritischen Zustand des Patienten „Planet“ hat sich die Warte mit ihm unterhalten.

Warte: Herr Doktor, wie lange noch?

Josef Nussbaumer: Oh, das ist eine Frage, die müsste man wohl dem lieben Gott stellen und nachdem der uns ja gewisse Freiheiten gegeben hat, wäre er wohl selber nicht sicher. Die Frage ist nicht ob der Planet überlebt, sondern ob wir auf diesem Planeten weiter sinnvoll leben können.

Welches weltwirtschaftliche Problem gehört notversorgt?

Da gäbe es eine ganze Menge zu nennen. Das größte ist wohl noch immer das Verteilungsproblem, die Kluft zwischen Arm und Reich. Der Kampf um Nahrung, um Energie und Ressourcen, … ist ein Spiegelbild davon. Selbst das aktuell vielleicht größte Problem, die Klimaproblematik, ist letztlich ein Verteilungsproblem. Man stelle sich eine Welt vor, in der jeder Erdenbewohner pro Kopf nur die gleiche Menge an Co² ausstoßen dürfte, vom Innviertel bis China oder Afrika.

Globale gesellschaftliche Krankheiten und Hoffnungstropfen dagegen – so der Titel Ihres Vortrages. Im Vergleich klingt das irgendwie homöopathisch…

Ja, das Bild mit der Homöopathie gefällt mir sehr gut. Ein Wesenszug der Homöopathie besteht ja darin, dass Anhänger von diesen Mitteln fest an die Wirkungskraft glauben. Viele Tropfen können eben einen Fluss bilden und ein Fluss kann bekanntlich sehr mächtig werden. Das weiß jeder, der zum Beispiel am Inn lebt.

Ihr Buch „Leidenswege der Ökonomie“ sei zu negativ gewesen, das Jammern ein Fressen für Populisten. Ist „Hoffnungstropfen“ erschienen, um den Suderanten eines auszuwischen?

Nein! Bitte: Ich sage nicht, dass der Weltzustand ideal ist, ich sage nur, dass es berechtigte Hoffnung gibt, dass wir auch recht große Probleme lösen können/könnten. Und dies geht nur dann, wenn möglichst viele Menschen weiter motiviert werden an einer Verbesserung der lokalen und der globalen Welt mitzuarbeiten und nicht im populistischen Sudern und in der Inaktivität, der Lethargie, verweilen.

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