Tagesdosis 03.05.2018 – Parallelwelten: Marina Abramović und ihr Spirit Cooking

Performance Kunst hat nur ein vorrangiges Ziel. Die strikte Selbstdarstellung und damit verbundener, im Bestfall finanzieller, Erfolg. Eine der vermeintlich wichtigsten Persönlichkeiten dieses Genre heißt Marina Abramović. Die gebürtige Serbin, 71jährig, erhält aktuell in der Bundeskunsthalle zu Bonn, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur & Medien, ihre große Werkschau.

Die Dame war mir unbekannt. Durch die Sendung 3sat Kulturzeit vom 20.April, wurde ich aufmerksam: Ein Mega Star wird erwartet. Marina Abramović, sie ist die Mutter der Performance. Ein Weltstar. So enthusiastisch lautete die Anmoderation(1).

Befassen wir uns mit der Künstlerin. Was macht sie zum vermeintlichen Star, zur Ausnahme? Abramović verarbeitet über ihre Kunst eine von Traumen geprägte Kindheit & Jugend. In ähnlich heroischen Besprechungen zur Veröffentlichung ihrer Biografie vor zwei Jahren, folgende Zitate aus damaligen Interviews: Die Erzählungen aus Ihrer Kindheit lesen sich düster wie Grimmsche Märchen. Eine Mutter, die das Mädchen schlägt, bis sein Körper übersät ist mit dunklen Flecken… Empfinden Sie Wut gegenüber Ihrer Mutter, die Sie nachts mit Ohrfeigen weckte, wenn Sie nicht ordentlich im Bett lagen? …Ihre frühen Performances kreisen um einen selbst zugefügten Schmerz. Sie haben sich mit einem Metallkamm gekämmt, bis alles schmerzte. Sie haben sich 1975 in Innsbruck blutig gepeitscht, zwei Stunden lang, Sie haben in Belgrad 1975 geschrien, bis Ihre Stimme verstummte, drei Stunden hat es gedauert… In Neapel boten Sie 1974 den Zuschauern 72 Werkzeuge an, Sägen und Hämmer und Äxte, mit denen Sie, aufgebahrt, verletzt werden konnten. Es wurde eine sechsstündige Tortur. Sie starben fast. Sie wären beinahe verblutet… Sie haben Trauma erfolgreich in Kunst verwandelt. War es das wert, dieses ganze Unglück? (2)(3)

Verstörend, nicht wahr? Trotzdem ist die Kunstwelt, inklusive der Fangemeinde anscheinend von Abramović beeindruckt, entzückt, regelrecht begeistert: Eine ihrer extremsten Arbeiten ist “The Artist is Present’’ im Jahre 2010, für die sie im New Yorker MoMA zweieinhalb Monate lang von morgens bis abends auf einem Stuhl saß und Menschen einlud, sich ihr gegenüber zu setzen und sie anzuschauen. Rund 800.000 Menschen kamen zu dieser erfolgreichsten Performance aller Zeiten(2). Wo liegt der Unterschied zwischen Therapie und Kunst? , fragte 2016 die Zeitung Zeit im Interview. Abramovićs Antwort: Im Kontext. Wenn Sie es im Kontext einer Kunstperformance tun, dann ist es Kunst. So wie Joseph Beuys Brot gebacken hat – im Museum. Hätte er es in einer Bäckerei gemacht, wäre es – Brotbacken gewesen. Nun ja, Joseph Beuys hat 1965 auch tote Hasen herum getragen[4]. Kontext, Provokation, oder Therapie?

Kommen wir nun zum eigentlichen Grund dieser Tagesdosis. In keinem der heroischen Besprechungen, Texte, oder Beiträge über Mariana Abramović wird auf ein sehr fragwürdiges Detail ihrer Biografie hingewiesen. Die von ihr zelebrierte Veranstaltung Spirit Cooking. In Teilen ihrer Performances deutete sie die Inhalte indirekt an. Leider wird es jetzt unangenehm, aber diese Frau bekommt gerade höchste Ehren in der Bundeskunsthalle und Lobpreisungen diverser Medien.

Eines ihrer sehr schwer nachvollziehbaren, aber anscheinend weltweit umjubelten Wandschriften lautet übersetzt aus dem Englischen: Vermische Milch aus der Brust, mit frischer Spermamilch, zu trinken an Erdbeben Abenden. Schneide mit einem scharfen Messer in deinen Mittelfinger der linken Hand und verspeise den Schmerz [7]. Neben der Tatsache regelmäßig, ob provokativ oder identifizierend, mit Darstellungen des Okkultismus zu irritieren, regelmäßig mit blutähnlichen, bzw. blutgleichen Flüssigkeiten zu arbeiten, findet sich bei erwähnter Performance auch der Begriff Spirit Cooking(6).(…)

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