Übernahme von Time Warner durch AT&T genehmigt

Der Telekommunikationsgigant AT&T darf das Medienunternehmen Time Warner, zu dem Sender wie CNN oder HBO als auch das Filmstudio Warner Bros. gehören, ohne Auflagen übernehmen. Gestern fiel das Urteil in einem der größten Kartellrechtstreitfälle der US-Geschichte. Damit entschied der zuständige Richter Richard Leon gegen eine Klage des US-Justizministeriums. Dieses hatte den Einwand vorgebracht, dass der Mega-Deal höhere Kosten für Kunden wie für Konkurrenten nach sich ziehen würde (wir berichteten). Das Justizministerium äußerte sich “enttäuscht”. “Wir glauben immer noch, dass der Pay-TV-Markt durch diesen Deal weniger wettbewerbsfähig und weniger innovativ werden wird”, sagte der geknickte Staatsanwalt des Justizministeriums. Laut Richter Leon hätte die Anklage jedoch keine ausreichenden Belege dafür erbracht, dass der Zusammenschluss dem Wettbewerb schade. Der Deal beläuft sich auf 85 Milliarden US-Dollar.

US-Präsident Donald Trump hatte sich einst persönlich gegen eine Übernahme von Time Warner durch AT&T ausgesprochen. Dass CNN angeblich zu kritisch über ihn berichte, kann ein Grund für seine heftige Kritik gewesen sein. Der General Counsel von AT&T, David McAtee, äußerte sich sehr zufrieden mit dem Urteil und kündigte an, die Fusion um den 20. Juni herum zu einem Abschluss gebracht zu haben, “damit wir unseren Kunden Video-Entertainment anbieten können, das erschwinglicher, mobil und innovativ ist”.

Nach dem Urteil stieg der Aktienwert von Time Warner um fünf Prozent, der von AT&T fiel wiederum um zwei Prozent.

Das Urteil wird hohe Wellen in der Medienbranche schlagen und den Weg ebnen für vergleichbare Fusionen. Comcast hatte bereits angekündigt, nach einem positiven Urteil für AT&T ein erneutes Übernahmeangebot für die zum Verkauf stehenden Teile von 21st Century Fox machen zu wollen, für die eigentlich bereits Disney den Zuschlag erhalten hat. Allerdings steht eine kartellrechtliche Prüfung dieser Fusion noch aus.

Quelle: Blickpunkt:Film