Tagesdosis 10.7.2018 – Triumph des Wollens

Nach ein paar Wochen WM vermisse ich meine Fussballpause am globalen Lagerfeuer. Weil ich gerade an einer größeren Arbeit sitze, hatten die Spiele die Tage irgendwie schön strukturiert. Dass auch die deutsche Mannschaft wie Spanien, Italien und Argentinien dem Weltmeister-Syndrom zum Opfer fiel und früh ausschied, störte nicht weiter. Bei diesem Syndrom scheint es sich ja auch weniger um ein sportliches als um ein systemisches Problem zu handeln, weil man die Turnierhelden, wenn sie ihre Schuldigkeit getan und den Titel geholt haben eben nicht einfach in die Wüste schickt, sondern ihnen schon ehrenhalber Stammplätze und Platzhirschstatus einräumt.Was den Aufstieg der Jungen und eine Auswahl der wirklich Besten naturgemäß erschwert. Und weil Platzhirsche oft nicht mehr so richtig wollen, weil sie ja schon mal hatten, kommen dann so saft,-und kraftlose Auftritte heraus wie die der Deutschen gegen Mexiko, Schweden und Süd-Korea.

Fußball, so konnte man bei den Spielen dieser Weltmeisterschaft sehen, ist eben auch ein Triumph des Wollens und nicht nur der Passgenauigkeit und des Ballbesitzes. Wer blasiert und bräsig die Kugel hin und herschiebt wie La Mannschaft kann keinen Blumentopf mehr gewinnen. Dass viele Teams ins Viertelfinale gekommen sind, deren Marktwert nur einen Bruchteil dessen der ausgeschiedenen Teams wie Deutschland oder Spanien beträgt, ist ein gutes Zeichen: Wollen und Willen, Courage und Engagement, Mannschaftsgeist und Teamspirit – immaterielle Eigenschaften, die sich nicht so einfach zusammenkaufen lassen – sind für den Ausgang der Spiele mindestens so wichtig wie der Marktwert der Spieler…weiterlesen hier: https://kenfm.de/tagesdosis/