Die Weltordnung der Weltverschwörer

Als Verschwörungstheorie bezeichnet man den Versuch, bestimmte Ereignisse, Zustände oder Entwicklungen durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, geheime Wirken von mehreren Personen zu einem illegalen oder illegitimen Zweck. Der Begriff wird einerseits zur Abwertung oder Diffamierung von Ansichten benutzt, die als unbegründet, irrational, abseitig, paranoid und weltanschaulich geschlossen betrachtet werden. Andererseits benutzen viele Vertreter irrationaler Überzeugungen die Verschwörungstheorie tatsächlich als einfachste sich anbietende Erklärung für das Scheitern ihrer Bemühungen. So behauptet z.B. Ryke Geerd Hamer (Germanische Neue Medizin) eine jüdische Weltverschwörung, welche seine angeblichen Erkenntnisse für Nichtjuden unterdrücken und nur für Juden nutzbar machen wolle.


Verschwörungstheorien werden gerne benutzt, weil sie meist in sich geschlossene Argumentationssysteme sind. Diese sind so angelegt, dass sie nicht oder nur schwer zu widerlegen (falsifizierbar) sind. Wer einer Verschwörungstheorie nicht glaubt, gehört aus Sicht ihrer Befürworter entweder selbst zu einer Gruppe von Verschwörern oder ist nicht aufgeklärt genug.

Verschwörungstheorien widersprechen sich häufig gegenseitig und können somit aus logischer Sicht widerlegt oder zumindest in Zweifel gezogen werden. Anhänger und Gläubige von Verschwörungstheorien sehen in derartigen Widersprüchen kein Hindernis, erstaunlicherweise auch dann wenn sie sich selbst zur Gruppe der so genannten Truther zählen, die sich einer individuellen “Wahrheit” verpflichtet sehen.

Verschwörungsideologien und Zentralsteuerungstheorien gab es wohl schon immer in der Geschichte der Menschheit.

Moderne – noch heute immer wieder auftauchende – Verschwörungstheorien gehen zurück auf die Französische Revolution. Die “Schuld” hierfür wurde damals den “Illuminaten” zugeschreiben.

In der Folgezeit wurden die Verschwörungsideologien gegen die Illuminaten mit antijüdischen vermischt, da ja die Illuminaten sich auch gegen die katholische Kirche gewandt hatten und die Juden ohnehin als Gegner des Christentums galten.

Anfang des 20. Jahrhunderts tauchten die sogenannten “Protokolle der Weisen von Zion auf”. Angeblich beinhalteten sie die Ergebnisse geheimer Treffen von Vertretern der jüdischen Stämme.

Obwohl diese Protokolle nachweislich Fälschungen sind, die vermutlich von der zaristischen Geheimpolizei lanciert wurden, um gezielt Judenpogrome zu provozieren, tauchen diese immer wieder in verschiedenen abgewandelten und modernisierten Versionen auf.

Teilweise handelt es sich heute auch um Versatzstücke, die offensichtlich auf den Protokollen beruhen, ohne dass diese direkt erwähnt werden.

Verschwörungsideologien sind weder ein gesunder Ansatz zur (berechtigten) Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen noch bieten sie wirkliche Lösungen. Vielmehr verfestigen sie Vorurteile, schaffen Agressionen, führen zu Rückzug aus gesellschaftlichen Aktivitäten und Mitgestaltungsmöglichkeiten und sind somit eine Gefahr für die demokratische Gesellschaft.